Der Zirpelhupf

In seinem Schlupfloch in der Erde
Verbringt der Zirpelhupf den Tag.
Er zählt vom Kirchturm jeden Schlag,
Auf daß es endlich Abend werde.

Ist dann die Sonne hinterm Berg,
Verläßt der scheue Zirpelhupf
Begierig seinen Unterschlupf
Und macht sich an sein Zirpelwerk.

Er streicht mit Anmut und Geschick
Den Fuß an einem Zweige,
Als wär es eine Geige
Und macht damit Musik.

Erreicht er bei dem Spiele
Zum Schluß das hohe C,
Dann hüpft er in die Höh,
Als wenn es ihm gefiele,

Dem Tone nachzufliegen,
Der in die Ferne klingt.
Die Schwerkraft aber bringt
Den Vorsatz zum Erliegen.

Deshalb sind zirpelhupfsche Lieder
Stets melancholisch, sehnsuchtsvoll,
Kaum in Dur und oft in Moll
Und behandeln immer wieder

Aufwärtssteigende Kadenzen
Als Symbol für das Bestreben,
Einst die Schwerkraft aufzuheben
Und zu fliegen ohne Grenzen.

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